Ein großer Sitzkreis aus jungen Mädchen, die alle konzentriert in die Mitte schauen, wo zwei große Männer Handgriffe zur Selbstverteidigung erklären. Dann: großes Durcheinander. In Zweiergrüppchen wird das neu Erlernte getestet oder die Übung von davor (Boxen gegen eine Matte) fortgeführt.
Dieses Bild bietet sich einem am Donnerstag der Projektwoche unten in der Turnhalle. Das Projekt 18 befasst sich mit Sexismus im Alltag – und hat im Zuge dessen auch zwei Selbstverteidigungslehrer von Außerhalb hinzugezogen. Der eintägige Workshop soll den jungen Teilnehmerinnen die Grundlagen zur Selbstbehauptung vermitteln. Ambitioniert schlüpfen sie mal in die Rolle der Verteidigenden, mal in die der übergreifenden Person, um die Abwehrgriffe zu erproben. An den anderen Tagen der Projektwoche wird eher theoretisch an das Thema Sexismus herangeführt. Viele Gespräche und Austausch prägen die Tage. Wie beeinflusst Sexismus unseren Alltag? Was hat man selbst schon dahingehend erlebt? Wie geht man dagegen vor? Viele Teilnehmerinnen berichten, dass sie zwar, abgesehen von Sprüchen, noch keine, klar als Sexismus zu kategorisierende, Erfahrungen gemacht haben, solche Situationen jedoch aus Erzählungen von Bekannten oder Freunden mitbekommen. Daraus ergab sich schließlich auch die Wahlentscheidung: „Ich habe das Projekt gewählt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mich persönlich zu wenig in meinem Leben damit beschäftige, ich aber glaube, dass es mehr Aufmerksamkeit braucht. Deswegen dachte ich, das Projekt ist ein guter Start, um daran anzuknüpfen und vielleicht auch mehr zu lernen“, so eine der Teilnehmerinnen.
Auch der Gedanke, durch das Projekt einen Safe-Space zu gewinnen, in dem man offen und ohne verurteilt zu werden füreinander da ist, wird als Wahlgrund angegeben. Dieser „Safe-Space“ ist auch der Grund, warum das Projekt zwar eine große Jahrgangsbandbreite mit Jahrgängen 7 bis 13 aufweist, allerdings nur Mädchen die Wahl gestattet war: Für viele ist es einfacher, offen über Erfahrungen und Lösungsansätze zu diskutieren, wenn im Raum auch nur die ebenfalls Betroffenen sitzen.

Doch nicht nur Lösungsansätze und Ideen gegen vor allem schulinternen Sexismus werden erarbeitet. Auch dem Wunsch, sich selbst vor Übergriffen jeglicher Art -seien sie verbal oder physisch- schützen und behaupten zu können, wird, durch den Selbstverteidigungskurs und andere Gesprächsrunden, nachgekommen: „Eigentlich wurden alle meine Erwartungen erfüllt. Ich wollte, dass es ein bisschen Spaß macht und ich trotzdem dabei auch ein bisschen etwas lerne, beispielsweise mich selbst zu verteidigen. Ich habe auch gelernt, was man sagen könnte, wenn eine sexistische Aussage getätigt wird. Und wir sind ja noch nicht fertig. Wir wollen noch herausarbeiten,
wie man Sexismus an unserer Schule verhindern kann“, so eine weitere Teilnehmerin des Projektes.

Die Lehrerinnen, die das Angebot in die Wege geleitet haben, wollten mit ihrem Projekt vermitteln, dass man über solche Themen sprechen sollte und sich für die eigenen Erfahrungen auch nicht rechtfertigen muss. Sie wollen Strukturen schaffen, die Halt geben, wenn man als Mädchen Übergriffe erlebt. Die Fragen „Was kann ich machen? An wen kann ich mich wenden? Wie gehe ich dann vor?“, sind, laut Frau Lensment, zentral.
Auf die Idee gekommen sind die Projektleiterinnen, da sie „auch alle Frauen, also Lehrerinnen, sind und das Thema eines ist, das wir auch in unseren Alltag immer mal wieder erleben“.

Hier zeigt sich: Das Motto der Projektwoche „RICARDA! hält zusammen“ lässt sich auf viele Bereiche ausweiten. Denn nur mit Gemeinschaft und Zusammenhalt können wir füreinander gegen solche Alltagskämpfe anstehen. 

Fanny T. und Martha R.

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