Man kommt nach Hause und beschwert sich. Man diskutiert mit den Eltern darüber, mit Freunden und Fremden: Denn das Schulsystem ist nicht perfekt. Es hat seine Fehler…aber an solchen lässt sich gemeinsam Arbeiten.
„Ich habe mich schon häufiger mit meiner Mutter darüber unterhalten, dass das Schulsystem ein bisschen veraltet ist“, so eine Teilnehmerin des Projektes „Schule verändern – RICARDA! In zehn Jahren“. Eine andere Teilnehmerin äußert ebenfalls ihre Frustration darüber, dass im Schulsystem Vieles nicht wirklich gut auf Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist. Auch Lehrerin Frau Singer findet, es fehlt häufig an der Schülersicht. Vor allem in den zuständigen Komitees sitzen häufig „die Erwachsenen“ zusammen und überlegen, was für die Schülerschaft gut wäre. Aber was, wenn diese Ideen gar nicht zu denen der Schülerschaft passen? Was, wenn die „Perspektive nicht berücksichtig wird und wir uns in unserem Kämmerchen irgendwas ausdenken, was vielleicht vollkommen an euren Bedürfnissen vorbeigeht?“, so Frau Singer. Doch um die Interessen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zu kennen, muss man erst in Austausch mit ihnen treten. Man muss ihnen Raum geben, ihre Ideen zu entwickeln, auszuarbeiten und auch zu präsentieren. Genau diesen Raum möchte Projekt 17 bieten.
Schule verändert sich kontinuierlich, wie fast alles im Leben. So hat sich beispielsweise das Verhältnis zwischen Schülern und Schülerinnen seit Frau Singers Schulzeit gewandelt. Gleichzeitig jedoch hat sich am Gebäude (abgesehen vom neuen Anstrich und dem Mensa-Anbau) nicht viel gewandelt. Das zeigt: Veränderungen brauchen Zeit. Meistens viele Jahre. Sie bedürfen viel Engagement, Geduld und auch Transparenz. Das Projekt denkt hierbei mit der schönen, runden Zahl von zehn Jahren also teils sogar ambitioniert. Aber das trübt die Motivation und Hoffnung im Projekt keineswegs. Obwohl die Teilnehmenden von Jahrgang 7 bis 12 vermutlich selber nicht mehr von möglichen Änderungen profitieren, wollen sie etwas bewirken: „Es ist natürlich schon schade, dass wir selber nicht mehr direkt etwas davon haben. Aber ich glaube, es wäre auch schön von außen zu
sehen, dass die Kinder, die in zehn Jahren auf die Schule gehen, durch unsere Ideen vielleicht eine bessere Schulzeit oder einfach mehr Spaß an der Schule haben.“
Die Hoffnungen, dass die eigenen Ideen wirklich vor den entsprechenden Gremien landen und nicht in der „untersten Schublade“ verweilen, die Hoffnungen der Schülerinnen und Schüler nicht mehr ignoriert zu werden – die treiben das Projekt an. Um genau diese Befürchtungen zu verhindern und stattdessen Träume wahr werden zu lassen, sollen vorerst Visionen und langfristige Module herausgearbeitet werden. Konkrete Konzepte und realistischer Blick sind gefragt – durchaus eine Herausforderung. Aber stellen die Schülerinnen und Schüler sich erfolgreich an, können genau ihre Konzepte weitergetragen werden: In die SV, in die Arbeitsgruppe der DG Zukunftsschule, zum Studienentwicklungsforum.
Denn genau dort möchte Frau Singer den Schülerinnen und Schülern eine Stimme bieten. Sie selbst träumt auch von Veränderungen. Beispielsweise gefällt ihr die Idee eines offenen Raumkonzeptes besonders, mehr Individualität wäre ihr lieb… „Ich habe 30 Kinder in meiner Klasse und nicht immer das Gefühl, jedem gerecht werden zu können. Das finde ich schade, weil das eigentlich der Kern des Lehrerdaseins ist“, meint sie.
Das Motto „RICARDA! hält zusammen“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung, denn besonders im Kopf bleibt Frau Singers Aussage dazu: „Ich finde, damit wirklich eine Gemeinschaft entstehen kann, müssen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Schule identifizieren können. Und wirklich identifizieren mit der Schule man kann man sich, wenn man das Gefühl hat, man kann was bewirken. Wenn man das Gefühl hat, man kann etwas gestalten, hier wird Rücksicht auf meine Ideen genommen, ich habe einen Teil dieser Schule selber mitgestaltet. Sodass dann wirklich ein Bezug, ein Gemeinschaftsgefühl entstehen kann und die Schülerinnen und Schüler das Gefühl haben, das ist unsere Schule, das ist meine Schule, ich gehe hier gerne hin.“
Fanny T. und Martha R.

